Rezension: Gruselkabinett - 161 - Heimflug

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Rezension: Gruselkabinett - 161 - Heimflug

Beitrag von MonsterAsyl » Fr 01.05.2020, 18:55

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Gruselkabinett - 161 - Heimflug

Zum Inhalt:
Tante Marylin und ihre älteste Freundin Hedy Baumholzer sind ganz fasziniert von der neuen Möglichkeit, mit einem Luftschiff zu reisen. Anfang 1934 soll der Jungfernflug des Zeppelins von London aus starten, und die beiden rüstigen Damen wollen unbedingt dabei sein. Die Chancen dafür stehen gut, denn Tante Marylin hat Beziehungen in die höchsten Kreise. Colin Hargreaves und seine Frau Alwyne dagegen setzen alles daran, dies zu verhindern, denn schon seit einiger Zeit wird Letztere von schrecklichen Vorahnungen geplagt, die unmittelbar mit dem neuartigen Luftfahrzeug zusammenhängen...

Zur Produktion:
Es ist schon eine Weile her, daß es eine Folge mit den Hargreaves gab, aber nun können sich Fans des übersinnlichen Ermittlerduos über ein neues Abenteuer freuen. Nach Gruselkabinett - 83 - Heimgesucht, Gruselkabinett - 89 - Heimgekehrt, Gruselkabinett - 109 - Heimweh und Gruselkabinett - 147 - Höllenfahrt des Schörgen-Toni, ist dies nun bereits der fünfte Fall der beiden und der vierte aus Marc Gruppes Feder. Ursprünglich erfunden wurde das Duo von dem irischen Schriftsteller George Allen Upward (20.09.1863 - 12.11.1926). Der Autor veröffentliche etliche Romane und beschäftigte sich unter anderem mit der christlichen Mytholgie. Zu diesem Thema veröffentlichte er auch 1913 die anthropologische Studie "The Divine Mystery". Aus ungeklärten Gründen erschoss sich Upward im November 1926.
Das vorliegende Hörspiel basiert jedoch auf einer völlig neuen von Per McGraup (geboren 1947) [ein Pseudonym von Marc Gruppe] verfassten Geschichte, weshalb es keinen Vergleich zu einem wie auch immer gearteten "Original" gibt. Der Skriptautor startet die Handlung mit einer eindrucksvoll gestalteten Eröffnungszene, die den Absturz des Luftschiffes und den damit verbundenen Tod vieler Menschen plastisch darstellt. Im weiteren Verlauf versuchen die Hargreaves hinter das Geheimnis von Alwynes Schreckensvisionen zu kommen, um die wahrscheinlich anstehende Katatstrophe doch noch zu verhindern bzw. das Leben von Colins Tante Marylin und ihrer Freundin Hedy Baumholzer zu retten. Detailierter möchte ich auf den Inhalt nicht eingehen, um nicht zu viel zu verraten.
Wer die oben genannten Folgen gehört hat, weiß, daß die "Hargreaves-Geschichten" von Gruppe immer mit viel Humor erzählt werden und vor allem Tante Marylin ein konstanter Garant für diverse Schoten ist. Laut auflachen musste ich, als die alte Dame aus ihrer Jugend erzählt und sich knochentrocken als "Spielball der Lust, in einem Meer aus Leidenschaft" bezeichnet. Es ist jedoch nicht nur die quirlige Tante, die so manchen flotten Spruch auf Lager hat, auch die anderen Figuren überraschen immer wieder mit dem einen oder anderen Bonmot. Ach ja, Pamela, die Tochter der Hargreaves, tritt hier übrigens nicht auf. Das hat der Autor clever gelöst, indem er einen kurzen Dialog zwischen Alwyne und Colin einfügt, aus dem hervorgeht, daß die Kleine mittlerweile die Schule besucht und dort auch übernachtet. Innerhalb der Geschichte gibt es übrigens einen Verweis auf die vorangegangene Folge (Höllenfahrt des Schörgen-Toni), und auch den Titel des Hörspiels hat Gruppe unauffällig mit einfließen lassen. Das Geschehen bleibt bis zum Schluß unterhaltsam und spannend, wenngleich sich die Gruselelemente rein auf die Visionen bzw. Szenen, in denen sich Alwyne in Trance befindet und mit den Toten kommuniziert, beschränken. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch, und der Hörer wird in ca. 68 Minuten ausgezeichnet unterhalten. Ich bin wohl ein alter Romantiker, denn die kurze Liebesszene zum Ausklang des Hörspiels finde ich besonders schön.
Die Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe hat mir wieder sehr gut gefallen. Hier ist es vor allem die üppige, detailreiche Geräuschkulisse, welche mich beeindruckt hat. Da wäre zunächst besagte Eröffnung mit den gewaltigen Explosionen, dem wütenden Feuer und den herzergreifenden Schreien der Menschen zu nennen. Doch es sind eigentlich die kleinen, eher unscheinbaren Töne, die mich begeistern. Sei es der dezent eingespielte Verkehrslärm, der im Hintergrund des Büros der Hargreaves zu hören ist, oder die Fahrt zum Flugplatz, die nicht nur mit dem Brummen des Automotors, sondern zusätzlich mit dem Schalten der Gänge veranschaulicht und mit dem Zuschlagen der Autotüren abgeschlossen wird.
Es sind solche Feinheiten, die jeden Abschnitt des Hörspiels total realitisch wirken lassen. Effekte werden eher spärlich, aber dafür umso wirkungsvoller eingsetzt. So wird beispielsweise die Stimme von Tante Marylin während des Telephonates so verfremdet, daß es exakt klingt, als handele es sich dabei um einen "Live-Mitschnitt" des Gesprächs. Während Alwyne ihre Vorahnungen hat bzw. wenn sie in Trance ist, sind die Stimmen der Toten mit einem leichten Hall unterlegt, um einerseits die Entfernung zum Jenseits zu verdeutlichen und andererseits diese Sequenzen noch unheimlicher wirken zu lassen. Genau wie die Geräusche, sind auch die ausgewählten Musikstücke nicht nur ein Genuss für das Ohr, sondern dienen darüber hinaus noch dazu, die Atmosphäre in den jeweiligen Szenen zu verstärken. Bei der Instrumentauswahl hat man sich ganz an der Zeit, zu der die Handlung spielt, orientiert. Klavier und Geige sind vorherrschend, aber am Ende kommt auch noch eine kurz angeschlagene Harfe zum Einsatz, um den romantischen Abschluß zu untermalen. Der Synthesizer, von dem die bedrohlichen, dunklen Töne während Alwynes Trancezustand stammen, ist aber natürlich ein modernes Instrument. Die einzelnen Melodien alternieren oftmals zwischen fröhlich und harmonisch, doch es gibt auch melancholische, manchmal regelrecht bedrohliche Stücke zu hören. In dem Zusammenhang möchte ich noch unbedingt auf die kaum wahrnehmbaren, nur extrem kurz angespielten Musiksequenzen hinweisen, welche man im Büro von Captain Carmichael hört. Diese dienen auf schon fast geniale Weise dazu, sein Erschrecken auch auf den Hörer zu übertragen.

Zu den Sprechern:
Ich begrüße es ja immer, wenn, so wie hier, Rollen von ihren Stammsprechern übernommen werden. Dementsprechend bekommt man auch wieder die bereits gewohnten Stimmen der drei Hauptcharaktere zu hören. Stephanie Kellner(Alwyne Hargreaves) verkörpert die übersinnlich begabte junge Frau wieder mit viel Gefühl für ihre Figur. Schon zur Eröffnung hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck mit ihrem unruhigen Gebaren und Stöhnen während des Albtraums bzw. der Vorahnung. Auch im weiteren Verlauf geht sie ganz in ihrer Rolle auf, und die kleinen Kabbeleien mit der Tante ihres Gatten sind einfach großartig gespielt. Benedikt Weber(Colin Hargreaves), der auch als Erzähler fungiert, kommt hier auf Grund seiner eher kurzen Auftritte nicht ganz so zum Zuge, aber wenn er da ist, dann ebenfalls mit vollem Einsatz. Er liefert eine solide Darstellung des liebenden Ehemannes, der sich köstlich über die Dispute zwischen seiner Frau und seiner Tante amüsiert. Sprecherisches Highlight ist aber für mich dieses Mal Ursula Siegs(Tante Marylin) Portrait der geschwätzigen alten Dame mit der spitzen Zunge. Sieg verkörpert ihren Part mit jeder Menge Esprit, und als Hörer freut man sich geradezu auf jede Szene, in der sie auftaucht. An ihrer Seite hat sie, quasi als Pendant, Silvana Sansoni(Hedy Baumholzer) als leicht tüdelige, aber liebenswerte betagte Freundin, welche sich die manchmal etwas direkte Art ihrer Freundin oft sehr zu Herzen nimmt. Louis Friedemann Thiele(Captain George Howard Raymond) spielt den ehemaligen Luftschiffführer mit einer großen Portion Eindringlichkeit, und Ursula Wüsthof(Vorzimmerdame) verkörpert gekonnt die ältere, freundliche, aber ausweichend agierende Sekretärin. Ebenso überzeugend ist auch Valentin Stroh(Captain Carmichael) als Freund Raymonds, der sich, trotz der erschreckenden Warnung durch die Hargreaves bzw. seinen alten Freund, pflichtbewusst seinem Schicksal ergibt. In weiteren Nebenrollen treten Markus Andreas Klauk(Funker Disley) und Jean Paul Baeck(Navigator Leach) kurz und dramatisch als aufgeregte Besatzungsmitglieder auf sowie die teilweise im Chor Schlagzeilen rufenden Zeitungsjungen (James McMenemy, Christopher McMnemy, Edward McMenemy).

Fazit:
Zwar handelt es sich hier mehr um ein amüsantes anstatt eines gruseligen Hörspiels, aber wem das nichts ausmacht, der wird sich prächtig unterhalten.

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