Rezension: Gruselkabinett - 178 - Das unheimliche Turmzimmer

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MonsterAsyl
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Rezension: Gruselkabinett - 178 - Das unheimliche Turmzimmer

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Gruselkabinett - 178 - Das unheimliche Turmzimmer

Zum Inhalt:
Clive Felllows plagt ein immer wiederkehrender Alptraum. Er ist zu Besuch bei Jack Stone, einem früheren Schulfreund, und dessen Mutter weist ihm das Turmzimmer als Übernachtungsplatz zu. Fellows hat eine fast panische Angst davor, die Nacht dort zu verbringen, für die er jedoch keinen Grund weiß.
Eines Tages wird er von einem derzeitigen Freund, John Clinton, in dessen neuen Wohnsitz eingeladen, und zu Clives Entsetzen entspricht das Anwesen exakt dem Haus aus seinen Alpträumen. Seine Furcht steigert sich noch, als auch Clintons Mutter ihm das Turmzimmer als Schlafplatz zuteilt. Dort angekommen, sieht der Raum genau aus wie in seinen Träumen, mit einem Unterschied: dort hängt jetzt das Gemälde einer Frau an der Wand...

Zur Produktion:
Fans der Reihe erinnern sich vielleicht noch an die Folge "Gruselkabinett - 102 - Mrs. Amworth", die ebenfalls auf einer Kurzgeschichte des britischen Schriftstellers, Biographen und Archäologen Edward Frederic Benson (24.07.1867 - 29.02.1940) beruht. "The Room in the Tower", so der englischsprachige Originaltitel, erschien erstmals 1912 in dem Sammelband "The Room in the Tower and other Stories" und wurde bei uns 1961, also fast 50 Jahre später, unter dem Titel "Die Turmstube"(Diogenes Verlag) der Leserschaft zugänglich gemacht. Seither gab es auch in Deutschland immer wieder mal eine Neuveröffentlichung, zuletzt 2008 vom Fischer Verlag in dem Kurzgeschichtenband "Das Haus hinter Mitternacht".
E.F. Benson war das fünfte von insgesamt sechs Kindern von Edward White Benson, der 1883 zum Erzbischof von Canterbury ernannt wurde. Übrigens war es Edward Frederics älterer Bruder Arthur Christopher Benson, der den Text zu einer der Hymnen Englands, dem Lied "Land of Hope and Glory", beisteuerte.
Der Autor der hier zugrundeliegenden Geschichte ist auch der Schöpfer der heute noch bekannten Redewendung "(Es ist noch) Platz für einen mehr".
Sein letztes Werk war seine Autobiographie ("The Final Edition"), die er nur 10 Tage vor seinem Tod an seinen Verleger schickte.
Geschickterweise eröffnet Marc Gruppe das Hörspiel mit einer Sequenz, deren Bedeutung sich zwar erst im Verlauf erschließt, die aber von Beginn an für eine gruselige Grundstimmung sorgt. Da Benson seine Geschichte aus der Sicht des Hauptcharakters Clive Fellows schildert und diese sich zwar wunderbar für ein Hörbuch, aber weniger für ein Hörspiel eignet, sah sich Titanias Skriptautor Marc Gruppe gezwungen, den Großteil des Erzählertextes in Dialoge umzuschreiben. Zu diesem Zeck hat er die Figur des Psychologen Dr. Herrmann erschaffen, mit dem Fellows über seine Träume spricht. Geschickterweise wechselt er aber nach ca. der Hälfte des ursprünglichen Textes wieder in die Ich-Perspektive, was dazu führt, daß der Hörer die restliche Handlung quasi "live" miterlebt.
Inhaltlich hat Gruppe jedoch so gut wie nichts verändert. Seine zeitliche Einordnung in das Jahr 1912 entspricht wie sooft dem Erscheinungsdatum der Vorlage, und es finden sich nur wenige Änderungen gegenüber dieser, abgesehen von schmückenden Adjektiven wie z.B. "knorrig" oder "verknöchert" im Zusammenhang mit dem alten Walnussbaum. Daß es hier nur um einen Grabstein geht und nicht mehrere wie bei Benson, Johns Hund den Namen "Toby" trägt (vielleicht eine Reminiszenz an Sherlock Holmes' berühmten Spürhund) oder John die ganze Zeit bei Clive bleibt, während der das Turmzimmer inspiziert, sind kleine Details, die den Ablauf des Geschehens nicht beeinflussen.
Es gibt aber durchaus einige Erweiterungen, welche der Geschichte gut tun, bzw. sie logischer machen. Beispielsweise hört man eine Szene, die in stockdunkler Nacht spielt und bei der John und Clive durch ein Gitter schauen. Während es bei Benson keinerlei Erklärung gibt, wie die beiden bei derart schlechten Lichtverhältnissen überhaupt etwas sehen können, lässt Gruppe Clive einfach mal ein Streichholz anzünden. Auch der Verweis auf satanische Mächte oder der Grund für den Selbstmord einer Protagonistin (das Streben nach ewigem Leben) sind neu hinzugekommen. Ebenfalls neu ist das ein wenig erweiterte Ende, welches wesentlich runder und damit auch befriedigender wirkt als der abrupte Schluß bei Benson. Trotz dieser dezenten Expansion beträgt die Spielzeit nur knapp 61 Minuten, was für ein knackiges, straff erzähltes Hörerlebnis sorgt.
Produktion und Regie durch Stephan Bosenius und Marc Gruppe wissen auch hier zu begeistern. So gut wie jede Szene ist mit düster, ja bedrohlich klingender Musik unterlegt, und die beklemmenden Töne des Synthesizers setzen noch zusätzliche Akzente. Der Großteil der Melodien wird jedoch mit klassischen Instrumenten wie Bass, Oboe und Geige eingespielt, und vor allem letztere kommt, mit einer an Alfred Hitchcocks "Psycho" erinnernden Weise, kongenial zum Einsatz. Dramaturgisch mindestens ebenso wichtig, sind aber auch die eingesetzten Geräusche, deren Vielfalt und sorgfältiger Gebrauch das unheimliche Geschehen noch zusätzlich atmosphärisch verdichtet. Bei der Eröffnung ist heulender Wind zu hören, im weiteren Verlauf ziehen die Vorboten eines Gewitters auf, die Turmtür quietscht nervenzerreißend, und natürlich knarren die Dielen unter den Schritten der Protagonisten. Gänsehauteinflößendes Highlight ist aber mit Sicherheit das unmenschlich wirkende Keuchen und Stöhnen nachts im Turmzimmer, aus dem klar hervorgeht, daß Clive Fellows um sein Leben fürchten muss. Es ist jedoch die Sorgfältigkeit, mit der auch die kleinsten Geräusche eingespielt werden, die mich stets aufs Neue begeistern. So ist das Kratzen der Feder auf Papier zu hören, und das Umblättern des Notizblockes fehlt ebenso wenig wie das Zuschlagen der Autotüren. Während der Gartenparty kann man im Hintergrund die Gäste ausmachen, die Grillen zirpen tagsüber penetranter als nachts, und selbst das Plätschern des Wassers beim Waschen der Hände wurde nicht vergessen. Der Irish Setter klingt mit seinem Bellen, Keuchen und Knurren ebenso realistisch wie das Knurren des Perserkaters. Aber besonders beeindruckend finde ich das einsetzende Gewitter mit seinem Donnergrollen und dem sich anschließenden prasselnden Regen, und natürlich das Rascheln des verwitterten Kleides im Wind. Neben dem offensichtlichen Effekt, dem Hall während der in der Vergangenheit spielenden Dialoge, gibt es hier noch einen weiteren, leicht zu überhörenden Effekt. Jedesmal, wenn der Satz "Ich habe Ihnen das Turmzimmer gegeben." fällt, wird dieser mit einem besonderen Ton, wie beispielsweise einem Donnerschlag, noch zusätzlich unterstrichen.

Zu den Sprechern:
Simon Jäger(Clive Fellows), der auch als Erzähler fungiert, hört man sein Alter wirklich nicht an, und somit passt er ausgezeichnet auf die Rolle des Mittdreissigers. Jägers Darstellung des von Alpträumen verfolgten Mannes ist tadellos und überaus beeindruckend. Wenn er vor Angst schreit oder aus dem Tiefschlaf hochschreckt, klingt das extrem realistisch, und seine Panik gegen Ende des Hörspiels überträgt sich geradezu auf den Hörer. Ganz im Gegensatz dazu, ist die Rolle von Jürgen Thormann(Dr. Herrmann) als sein Psychater, eher auf Komik angelegt. Thormann klingt immer ein wenig geistesabwesend und wirkt leicht schrullig. Er brummt zwar öfter zustimmend, wiegelt aber letztlich doch ab, als es um die Sorgen seines Patienten geht. Luise Lunow(Julia Stone) ist einfach großartig als herrische alte Dame mit rauer Stimme. Ihr Lachen alterniert zwischen diabolisch, spöttisch und hämisch und ist dabei stets unheilverkündend. Der Auftritt von Marc Gruppe(Jack Stone) als ehemaliger Mitschüler Clives, ist äusserst kurz gehalten und klingt mir fast ein wenig zu neutral. Jens Wawrczeck(John Clinton) macht viel Spaß als gutgelaunter neuer Freund von Fellows, der sich zunächst über dessen Verhalten wundert, bis auch er Zeuge der beängstigenden Ereignisse wird. Auch wenn sie "nur" etwas überdreht wirkt, hegt der Hörer, aufgrund der vorangegangenen Geschehnisse, der fröhlich plaudernden Ursula Sieg(Mrs. Clinton) gegenüber automatisch eine gewisse Skepsis, zumal sie ebenfalls den verhängnisvollen Satz: "Ich habe Ihnen das Turmzimmer gegeben." sagt. In einer weiteren Nebenrolle tritt noch einmal Marc Gruppe(Diener Thomas) als distinguierter, verwunderter Hausangestellter der Clintons auf. Übrigens klingt er in diesem Part ganz anders, so daß man die Doppelrolle gar nicht merken würde, wenn sie nicht im Booklet vermerkt wäre.

Fazit:
Hier bekommt der eigentlich harmlose Satz "Ich habe Ihnen das Turmzimmer gegeben" eine ganz neue Bedeutung.

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