Rezension: Sherlock Holmes - 34 - Die quietschende Tür

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 34 - Die quietschende Tür

Beitrag von MonsterAsyl » Fr 04.05.2018, 16:24

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Sherlock Holmes - 34 - Die quietschende Tür

Zum Inhalt:
"Schockierende Tragödie in Leicestershire! - Die brutale Ermordung eines jungen Künstlers!" So oder ähnlich lauten die aktuellen Schlagzeilen der Zeitungen. Natürlich hat Sherlock Holmes den für die Polizei bereits als gelöst geltenden Fall zur Kenntnis genommen und gelesen, daß ein Nachbar als Täter verhaftet wurde. Als sich Katherine Moody, das Mündel von John Playfair, in dessen Haus die schreckliche Tat geschah, bei ihm meldet, ist er zunächst auch ein wenig ratlos, wie er ihr helfen könnte. Nachdem die junge Frau die Angelegenheit aus ihrer Sicht geschildert hat, beschließt der Meisterdetektiv, zusammen mit seinem Freund Dr. Watson den Tatort aufzusuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. Dort sieht alles danach aus, als habe die Polizei den tatsächlichen Täter gefasst, bis Holmes die quietschende Tür bemerkt...

Zur Produktion:
Bereits mit der vorangegangenen Folge dieser Reihe (Sherlock Holmes - 33 - Das graue Haus) hat Titania Medien die Vertonung des Kanons von Sir Arthur Conan Doyle unterbrochen und die Geschichte eines anderen Autors als Holmes-Abenteuer umgeschrieben. Auch "The Creaking Door", erstmals im September 1933 erschienen, stammt nicht vom Schöpfer des Meisterdetektivs, sondern von dem britischen Soldaten und Schriftsteller Herman Cyril McNeile (28.09.1888 - 14.08.1937). Als aktiver Soldat war es ihm untersagt, seine Kurzgeschichten unter richtigem Namen zu veröffentlichen, weshalb er die Pseudonyme "H. C. McNeile" oder "Sapper" benutzte. Während er zunächst nur Kriegserzählungen verfasste, wechselte er in den 1920er Jahren das Genre und begann Kriminalstories zu schreiben. Seine populärste Figur ist der Ermittler "Bulldog Drummond", den auch Hollywood für sich entdeckte und dessen Abenteuer bisher mehr als 20 Mal verfilmt wurden.
Bei "Die quietschende Tür" handelt es sich allerdings um einen Fall seiner zweitbekanntesten Charaktere, des Detektivs Ronald Standish und seines Freundes Bill Leyton. Beide haben durchaus Ähnlichkeit mit ihren bekannteren Kollegen. Standish ist zwar etwas weniger kultiviert, dafür aber sportlicher als Holmes. Genau wie dieser bewohnt Standish mit seinem Freund eine gemeinsame Wohnung in London, und wie bei Doyle scheint Standish seiner detektivischen Tätigkeit nur als Hobby nach zu gehen. Sein Freund Bill Layton könnte dagegen glatt Dr. Watsons Bruder sein. Er bewundert den scharfen Verstand seines Freundes, ist selbst aber nicht in der Lage, auch nur ansatzweise dessen Gedankengänge bzw. Rückschlüsse nachzuvollziehen.
Auch die Konstruktion der Geschichten weist deutliche Parallelen zu dem berühmten Vorbild auf: Ein Klient kommt mit einem Problem, der Detektiv stellt Fragen, nimmt dann den Ort des Verbrechens in Augenschein und beginnt anschließend mit seinen Untersuchungen.
Diese auffälligen Gemeinsamkeiten bilden natürlich eine gute Basis, um daraus Sherlock Holmes-Abenteuer werden zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Skriptautor Marc Gruppe zunächst das zeitliche Setting geändert und von den 1930er in die 1890er Jahre verlegt. Dazu war es notwendig, sämtliche "modernen" Errungenschaften wieder auf ihren Ursprung zurückzuführen. So wird beispielsweise aus dem Auto eine Kutsche, und statt eines Anrufs, gibt es bei Gruppe einen Brief. Darüber hinaus war es ebenfalls unerlässlich, einige Formulierungen anzugleichen. Exemplarisch sei folgende Sequenz genannt: Während Katherines Bericht weist Standish bei McNeile darauf hin, daß sie keine Information zurückhalten soll, auch wenn sie glaubt, den Verdächtigen damit zu belasten. Dies hat Gruppe, ganz im Stile Doyles, insofern abgeändert, als daß Holmes hier seinen klassischen Hinweis gibt, sie solle alles erzählen, egal wie unwichtig es ihr erscheinen möge.
Sämtliche sonstige Modifikationen beziehen sich nur auf absolute Kleinigkeiten, wie die Verkürzung des Zeitraums bis zum Besuch Katherines von 15 auf 5 Minuten. Auffällig sind allerdings die vielen zusätzlichen Adjektive ("verzweifelte" oder "bedauernswerte"), die der Skriptautor im Zusammenhang mit Katherine hinzugefügt hat. Das wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber es lässt die Akteure, im Vergleich zur literarischen Vorlage, sehr viel lebendiger und vor allem individueller wirken.
Trotz der für eine Sherlock Holmes-Kurzgeschichte relativ umfangreichen Laufzeit von ca. 70 Minuten, gibt es keinen Leerlauf oder langatmige Passagen, die den Handlungsfluss stören würden, und so bleibt der Hörer bis zum Schluss gespannt dabei. Den englischsprachigen Sammelband "Roland Standish", in dem auch diese Geschichte enthalten ist, findet man im Internet entweder beim kanadischen Project Gutenberg unter http://gutenberg.ca/ebooks/sapper-ronal ... -00-h.html, oder bei seinem australischen Pendant unter http://gutenberg.net.au/ebooks06/0607761.txt.
Die, wie üblich, hohen Erwartungen an Regie und Produktion werden auch bei diesem Hörspiel voll und ganz von Stephan Bosenius und Marc Gruppe erfüllt. Für jeden Handlungsort wurde eine ganz eigene Geräuschkulisse kreiert, um die nötige Atmosphäre zu schaffen. Draußen vor dem Tatort zwitschern Vögel, und Blätter rauschen im Wind, während in der Bakerstreet ein knisterndes Kaminfeuer wegen des ständig heulenden Windes für Behaglichkeit sorgt. Besonders gelungen finde ich die titelgebende Tür, denn das englische Wort "creaking" kann man sowohl mit "quietschen" als auch mit "knarren" übersetzen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, haben die Produzenten die Tür einfach beides machen lassen.
Der Einsatz von Effekten erfolgt dezent, aber wirkungsvoll. Als Watson Katherines Brief vorliest, gibt es eine sanfte Überblendung von Bierstedts auf Sachaus Stimme. Wer einen gute Anlage hat bzw. Kopfhörer benutzt, kommt in den Genuß, die "nachhallenden" Worte Sherlocks im Kopf von Dr. Watson, im wahrsten Sinne des Wortes, herumschwirren zu hören.
Für die zum zeitlichen Rahmen passende musikalische Untermalung sorgen vor allem das Klavier und die Geige, welche ja auch bei der Titelmelodie eingesetzt werden. Diese instrumentale Kontinuität, die sich durch das gesamte Hörspiel zieht, sorgt dafür, daß man als Hörer nicht durch unpassende Klänge aus dem Geschehen gerissen wird und ganz in das viktorianische Zeitalter eintauchen kann.

Zu den Sprechern:
Auch nach 34 Folgen merkt man Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) keinerlei Ermüdungszeichen in seiner Rolle an. Ganz im Gegenteil, er scheint mehr und mehr mit dem Part des leicht unterkühlten Meisterdetektivs, der seinen Freund trotzdem gern neckt, zu verschmelzen. Selbiges gilt für Detlef Bierstedt(Dr. Watson), der sich noch immer mit dem gleichen Elan amüsant aufplustert bzw. echauffiert, wie schon in der ersten Folge. Janina Sachau(Katherine Moody) ist vollkommen überzeugend als junge Frau, deren sympathische Stimme manchmal beinahe versagt, als sie von den Zudringlichkeiten berichtet. Es gelingt ihr, jede Emotion, ob Besorgnis, Trauer, Wut oder Ekel, völlig natürlich klingen zu lassen, und ihr ausdrucksstarkes Spiel fesselt den Hörer.
Ebenfalls sehr gut ist Jacques Breuer(John Playfair), der den Gutsherrn mit etwas herablassendem Unterton spricht. Seine sehr kontrollierte Darstellung macht es für den Hörer schwierig, die Figur einzuordnen, zumal er freundlich und umgänglich erscheint, sobald die Sprache auf sein Hobby, die Photographie, kommt. Ganz im Kontrast dazu steht Rolf Berg(Bernard Power), der hier als unmissverständlich schmieriger Lüstling auftritt und dabei dermaßen gut ist, daß einem regelrecht angst und bange um Katherine wird. Matthias Lühns(Hubert Daynton) als verdächtiger Nachbar, der zwar hilfsbereit, aber eben auch hitzköpfig daherkommt, gefiel mir ebenso wie Sascha von Zambelly(Inspector Savage), der mit seiner unfreundlichen, überheblichen Art gegenüber Holmes seinem bekannteren Kollegen Inspector Lestrade nicht nachsteht und wie dieser am Ende natürlich dem überlegenen Intellekt des Detektivs Respekt zollen muss. Kurze, aber prägnante Auftritte erfolgen noch durch Louis Friedemann Thiele(Polizist Roberts) als hilfsbereiter, junger Gesetzeshüter und Thomas Balou Martin(Butler Wilkinson) als distinguierter, von Holmes' Fragen leicht verwirrter Diener Playfairs.

Fazit:
Auf Augenhöhe mit den Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle.

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