Rezension: Sherlock Holmes - 51 - Was das Feuer übrigliess

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 51 - Was das Feuer übrigliess

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Sherlock Holmes - 51 - Was das Feuer übrigliess

Zum Inhalt:
Graham Meredith, ein alter Bekannter des Meisterdetektivs, bittet um Hilfe. Nach dem Tod seines Freundes Miles Parker hatte er dessen Sohn Terence bei sich aufgenommen, um ihm ein Heim zu bieten. Da der junge Mann diese Hilfsbereitschaft nicht länger als unbedingt nötig ausnutzen wollte, suchte und fand er eine zwar gut bezahlte, aber auch etwas seltsame Stellung: Er soll die Buchsammlung eines gewissen Charles Follitt katalogisieren und sich ab und zu als Follitt ausgeben, damit dieser ungestört das Anwesen verlassen kann. Eines Tages besucht der Arbeitgeber Meredith und behauptet, Terence habe ihm 100 Pfund gestohlen...

Zur Produktion:
Bei "Partial Salvage", so der englischsprachige Originaltitel der von dem britischen Autor Herman Cyril McNeile (28.09.1888 - 14.08.1937) verfassten Kurzgeschichte (erstmals im April 1934 im "The Strand Magazine" veröffentlicht), handelt es sich wieder um ein Abenteuer von "Ronald Standish", das Titanias Skriptautor Marc Gruppe zu einem Sherlock Holmes-Fall umgeschrieben hat. Da dies bereits die 14. Adaption einer Detektivgeschichte aus McNeiles Feder ist und ich alles Relevante zum Autor und den Figuren in vorherigen Rezensionen geschrieben habe, will ich direkt auf das vorliegende Hörspiel eingehen.
"Partial Salvage" bedeutet eigentlich "teilweise Bergung" und ist somit ein wesentlich neutralerer Titel als der des Hörspiels, aus dem man zumindest entnehmen kann, daß es hier unter anderem um einen Brand geht, was ja durch die Coverillustration nochmals bestätigt wird. Ich finde den neuen Titel von Marc Gruppe überaus geschickt gewählt, da es kein deutsches Äquivalent für den englischen Begriff gibt und der deutsche Titel trotzdem genau beschreibt, was hier für die Handlung wichtig ist. Freunde der Sir Arthur Conan Doyle-Geschichten werden während des Hörens durchaus Parallelen zu dessen Werk entdecken, was allerdings wenig verwundert, da McNeile sich gern an den berühmten Vorlagen "bedient" hat, um eine eigene Variante zu schaffen.
Trotzdem sind die Unterschiede groß genug, daß auch Holmesianer ihre Freude daran haben werden, was nicht zuletzt den hervorragend besetzten Rollen geschuldet ist. Abgesehen vom Auftritt Mrs. Hudsons, einer Figur, die es ja bei McNeile nicht gibt, hält sich der Skriptautor wie gewohnt dicht an die literarische Vorlage und vermeidet bis auf wenige Kleinigkeiten, sein Skript zusätzlich "aufzublähen". Aus diesem Grund bekommt der Hörer einen knackig erzählten Plot, dem man die Laufzeit von ca. 66 Minuten nicht anmerkt. Natürlich gibt es, abgesehen von der Namensänderung der beiden Hauptcharaktere und der "Rückversetzung" ins viktorianische Zeitalter, noch ein paar weitere geringfügige Änderungen. Beispielsweise starb Terences Vater bei McNeile vor zwei Jahren, während es bei Gruppe nur ein Jahr ist, was die Arbeitssuche von Terence auch plausibler macht.
Wer die englische Vorlage liest, dem wird außerdem auffallen, daß der Skriptautor den dort genannten Buchtitel "Eric, or little by little" mit "erotische Romane" substituiert hat. Das ist durchaus sinnvoll, denn dieser Roman dürfte heutzutage niemandem mehr etwas sagen.
(Das Werk wurde von Frederic W. Farrar geschrieben und erstmals 1851 veröffentlicht. Es handelt von einem Schüler, der nach und nach moralisch immer tiefer sinkt, weil er mit dem Trinken und Rauchen anfängt und schließlich auch vor Betrug nicht zurückschreckt).
Da es in der Geschichte jedoch nicht nur um dieses eine Werk geht, sondern um eine umfangreiche Sammlung, passt es ganz gut, daraus die bereits erwähnten "erotischen Romane" zu machen, um deren "Schundcharakter" zu untersteichen.
Alle darüber hinausgehenden Veränderungen sind für den Ablauf der Handlung irrelevante Details. So wurde beispielsweise aus der ursprünglichen "Gartenarbeit" bei Gruppe "das Beschneiden von Rosen" und aus der Postbox 231 die Box 321.
Zunächst hatte es mich etwas überrascht, daß hier Holmes' Verkleidung als Handelsvertreter für Linoleum fehlt, in der er Follitt zum ersten Mal aufsucht.
Im Nachhinein wurde mir dann klar, daß diese Tarnung zwar ein nettes Detail ist, (welches man bei Holmes-Geschichten ja schon fast erwartet), aber eben auch völlig überflüssig, da Follitt Holmes noch nie vorher gesehen hat und er sowieso nicht zu Hause angetroffen wird.
Wie schon erwähnt, gibt es keine nennenswerten Erweiterungen des ursprünglichen Textes, mit einer positiven Ausnahme. Im Gegensatz zu McNeile, bei dem am Ende doch noch einige Fragen offenbleiben, lässt es sich Gruppe nicht nehmen, dem Hörer eine schlüssige Erklärung für die "Scharade" zu präsentieren und damit seine Adaption zu einer Sir Arthur Conan Doyles würdigen Detektivstory zu erheben.
Die Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe sind wie gewohnt tadellos. Jede Szene wird mit dem Einsatz vieler unterschiedlicher und immer adäquater Geräusche liebevoll zum Leben erweckt. Das raschelnde Briefpapier klingt anders als das Durchblättern der Zeitung, und jede Tür quietscht oder knarrt mit ganz eigenem Ton. Selbstverständlich gibt es auch ein für diese Geschichten zu erwartendes prasselndes Kaminfeuer, der Garten wird mit ein wenig Wind und Vogelgezwitscher akustisch dargestellt, und nachts bellen weit entfernt ein paar Hunde. Besonders hervorzuheben sind aber einmal mehr die "kleinen" und eher "unauffälligen" Geräusche, die zwar nicht zwingend notwendig wären, aber das Hörspiel so atmosphärisch machen.
Beispielhaft anführen möchte ich das Stimmengemurmel im Club, die Schritte auf dem Kiesweg und der einzigartige Glockenschlag von Big Ben.
Highlight sind für mich die "Feuerwalze", als das Haus in Flammen aufgeht, und die clevere Art, wie die Produzenten die herunterfallenden Kauwerkzeuge hörbar gemacht haben.
Ebenso gut gefallen hat mir auch die musikalische Untermalung bzw. die geschickt arrangierte Zwischenmusik, bei der die klassischen Instrumente Geige, Klavier und Bass im Vordergrund stehen. Mal sind die Melodien drohend und aufpeitschend, dann wieder ruhig und melodisch, je nachdem, welche Emotion beim Hörer geweckt werden soll. Besonders gut gefallen hat mir eine kurze harmonische Weise, die mich unwillkürlich an TV-Serien aus meiner Kindheit erinnert hat. Zum Ende der Geschichte kommen dann auch noch düstere Synthesizertöne zum Einsatz, welche dem Geschehen noch zusätzliche Dramatik verleihen.
Zu den Effekten zählen unter anderem die Filter, welche Mrs. Hudson Stimme hinter der Tür dumpf klingen lassen, sowie der Einsatz von Hall bei Sätzen und Dialogen, die in der Vergangenheit angesiedelt sind.

Zu den Sprechern:
Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) und Detlef Bierstedt(Dr. Watson) sind ja inzwischen geradezu mit ihren Rollen verwachsen, und die Spielfreude ist ihnen in jeder Szene anzuhören. Tennstedt als eingangs schrecklich gelangweilter Meisterdetektiv, der zwar überwiegend sachlich bleibt (außer es geht darum, seinen Freund Dr. Watson aufzuziehen), den die schiere Brutalität des verübten Verbrechens dann aber doch extrem wütend macht, und Bierstedt als sein langjähriger Freund und Adlatus, der stets hilfsbereit und vermittelnd agiert, wenn sich Holmes mal wieder mit der Haushälterin Mrs Hudson kabbelt. Es macht einfach Spaß ihm zuzuhören, wenn er sich entrüstet oder ihn die Tatumstände schockieren. Das lässt seine Figur so menschlich wirken und bildet einen ausgezeichneten Kontrast zu Holmes' oftmals unterkühlter Professionalität. Regina Lemnitz(Mrs. Hudson) hat einen kurzen aber prägnanten Auftritt als resolute Haushälterin, die selbst bei Holmes nicht davor zurückschreckt, ihm ordentlich die Meinung zu sagen. Tom Raczko(Terence Parker) ist die perfekte Besetzung für die Rolle des freundlichen, überaus sympathischen 23jährigen Mannes, dem das Schicksal so übel mitspielt. Die leicht heisere Stimme von Bert Stevens(Graham Meredith) als Parkers "Nenn-Onkel" passt ideal zu seinem Part als älterer Herr, der nichts auf den jungen Mann kommen lässt und entsprechend empört auf die gegen Terence erhobenen Vorwürfe reagiert. Geradezu großartig verkörpert Hans Bayer(Charles Follitt) den Mann in den besten Jahren, der sich von vorneherein äusserst mysteriös und teilweise auch ruppig gegenüber seinem Angestellten verhält. Obwohl es eine sehr kleine Rolle ist, gelingt es der außergewöhlichen Schauspielerin und Sprecherin Ingeborg Kallweit(Alte Haushälterin), die ihren Text kurz angebunden und harsch spricht, einen bleibenden Eindruck beim Hörer zu hinterlassen. Mit Yens Rahba(James Palliser) hat das Label Titania noch eine kleine Denksportaufgabe für die detektivisch interessierten Hörerinnen und Hörer eingbaut. Rahba wirkt von Anfang an ziemlich schmierig, was durch den zischend gesprochenen Text noch zusätzlich unterstrichen wird, und seine zu Beginn eher unterwürfige Art weicht schnell der Verblüffung und Fassungslosigkeit. Sein Spiel wirkt schon beinahe schmerzahft intensiv, als er zu stammeln und zu kreischen beginnt. Ebenso kurz und prägnant wie bei Ingeborg Kallweit, fällt auch der Auftritt von Lutz Reichert(Inspektor Lestrade) aus, der mit brummiger Stimme agiert und sich sogar dazu hinreißen lässt, gegenüber Holmes Dankbarkeit zu zeigen.

Fazit:
Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut es Titania gelingt, aus einer eher durchschnittlichen Geschichte einen echt wirkenden Sherlock Holmes-Fall zu zaubern.

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