Rezension: Sherlock Holmes - 56 - Der Mann im Speisewagen

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 56 - Der Mann im Speisewagen

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Sherlock Holmes - 56 - Der Mann im Speisewagen

Zum Inhalt:
Philip Hardy, ein guter Freund von Sherlock Holmes und Dr. Watson, berichtet den beiden von einem seltsamen Erlebnis, das er auf seiner Bahnreise von Paris nach London hatte. Zufällig kam er in den Besitz eines geheimnisvollen Dokuments, hinter dem eine mehr als dubiose Gruppe von Männern her ist. Obwohl er diesen das Papier zurückgab, wurde er ab da von ihnen verfolgt und später sogar niedergeschlagen. Nun sucht er Rat bei dem Meisterdetektiv...

Zur Produktion:
"The Man in the Saloon Car", so der englischsprachige Originaltitel der hier zugrundeliegenden Geschichte, erschien erstmals im April 1935 in "The Strand Magazine" und ist die 19. Titania Medien-Vertonung einer Kurzgeschichte des britischen Autors Herman Cyril McNeile (28.09.1888 - 14.08.1937). Über McNeile habe ich inzwischen so viel geschrieben, daß ich nichts Neues mehr sagen kann und verweise deshalb für die entsprechenden Informationen auf meine vorangegangenen Rezensionen.
Da diese Kurzgeschichte in den 1930er Jahren entstanden ist und auch in dieser Zeit spielt, musste Skriptautor Marc Gruppe die "modernen" Elemente, wie Telephon oder Taxi, durch die entsprechenden Pendants Telegramm und Droscke ersetzen, und der Verweis auf den Flug wurde zu einer Reise im Fährzug. Außerdem hat er einen Großteil des Erzählertextes in Dialoge umgewandelt, damit aus dem Hörspiel kein Hörbuch wird. Das alles spielt jedoch für die Handlung keine Rolle. Interessanterweise wurde die geheime Botschaft ebenfalls ein wenig verändert, ohne daß dies jedoch den Inhalt beeinflusst. So taufte Gruppe das Schiff "Berengaria" auch in "Aurania" um. Apropos Geheimbotschaft, wie selbst Dr. Watson anmerkt, spielt hier die detektivische Deduktion eine untergeordnete Rolle, denn zwei der vier Wörter kann Holmes ganz simpel mit Hilfe eines Dechiffrierbuches herausbekommen. Eine weitere Änderung betrifft die Auseinandersetzung mit einem Mann, der hier lediglich entwaffnet, bei McNeile angeschossen wird. Dies ist zwar eine harmlosere Variante, aber das Ergebnis bleibt letztlich das gleiche. Darüber hinaus gibt es bei McNeile zum Ende der Kurzgeschichte noch eine zweite Kutsche, deren Fahrer niedergeschlagen wird, und beim Bahnübergang eine Signalattrappe. Vermutlich hat Gruppe diese beide Elemente gestrichen, weil sie den bis dahin rasanten Ablauf nur unnötig verlangsamt hätten. Ebenfalls weggefallen sind die Bezeichnung "Idiot" für eine der Figuren, sowie die Begrüßung: "Du siehst wie üblich wieder abstoßend aus!" in Bezug auf Dr. Watson, da beides nicht dem Stil von Sir Arthur Conan Doyle entspräche. Auf Grund all dieser Modifizierungen bleibt das Geschehen bis zum Schluß spannend, da während der ca. 61 Minuten Laufzeit ständig irgendetwas passiert, das die Aufmerksamkeit des Meisterdetektivs erfordert. Übrigens, wer die Geschichte im englischen Original liest, wird feststellen, daß der Spruch: "Dieser Mann... würde seine Mutter verkaufen." dort lustigerweise "That Man... would eat his Mother." lautet.
Neben dem stets hervorragend verfassten Skipt, bestechen die Hörspiele von Titania Medien vor allem durch die sorgfältige Zusammenstellung von Geräuschen und Musik durch Stephan Bosenius und Marc Gruppe. In der Bakerstreet quietscht die Wohnungstür, Stühle werden beim Hinsetzen oder Aufstehen gerückt, und im Hintergrund ertönt dezent der Straßenlärm Londons. Selbstverständlich wird beim Anzünden von Zigarette oder Pfeife auch das sich entzündende Streichholz nicht vergessen, und als der Besucher um einen Drink bittet, bekommt man nicht nur das Einschütten, sondern auch das Zudrehen des Verschlusses und das Absetzen des Glases zu hören. Besonders gut gefallen haben mir die unterschiedlichen Schrittgeräusche, bei denen man klar erkennen kann, ob sich die Protagonisten auf rauem Straßenbelag oder innerhalb eines Gebäudes bewegen, sowie das gezückte Stilett. Auch wenn Geige und Klavier hier vorherrschend sind, kommt ebenfalls der Synthesizer (für bedrückende und unheilvolle Töne) zum Einsatz. Neben dem Titelmotiv gibt es unter anderem noch eine zarte Geigenmelodie und ein tragende Weise, welche mit Geige und Klavier intoniert wird. Zum Ausklang ertönt dann passenderweise noch eine orchestrale, geradezu feierliche Musik, die der Hörer sofort mit royalen Personen verbindet. Um klarzumachen, daẞ man erzählerisch in die Vergangenheit geht, wird die Szene im Zug mit Hall eingeleitet, und als der Besucher die Wohnung von Holmes und Watson verlässt, wird er ebenfalls mit einem dezenteren Hall unterlegt, um seine Entfernung zu dem Freundespaar auch akustisch darzustellen.

Zu den Sprechern:
Über weite Strecken der Handlung agiert Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) hier äußerst jovial, und erst als sich die Ereignisse zuspitzen, beginnt er, Watson ungeduldig zur Eile zu drängen. Detlef Bierstedt(Dr. Watson), der auch das Intro spricht, ist wieder in Höchstform. Wie gewohnt ist er öfter mal verblüfft, immer neugierig und auch mal empört. Seine Spitzen gegen Lestrade und sein unnachahmliches "Hä?", wenn er wieder einmal etwas nicht verstanden hat, sorgen beim Hörer für Schmunzeln und lockern das Geschehen auf. Jonas Minthe(Philip Hardy) ist klasse als Freund des Ermittlerduos, der ganz dem Bild eines britischen Gentlemans entspricht und den seine Erlebnisse zurecht beunruhigen. Trotz seines kurzen Auftritts, gelingt es Bodo Primus(Blackbeard), mit wenigen radebrechenden Worten mühelos das Bild eines finsteren Italieners vor dem geistigen Auge des Hörers entstehen zu lassen.
Da er mehr Text hat, ist Matthias Lühn(Mann im Speisewagen) in der Lage, seine Figur etwas differenzierter darzustellen, und es macht viel Spaß, ihn zunächst höflich und zuvorkommend zu erleben, bevor er dann insistierend und geradezu unheimlich wirkt. Die sympathische Stimme von Helmut Zierl(Jimmy Pendergast) passt sehr gut zu seiner Rolle als amüsierter, warnender Freund von Philip. Obwohl sie, ebenso wie Primus, nur einen kurzen Auftritt hat, gelingt es Reinhilt Schneider(Junge Frau), mit wenigen Worten des Dankes die Szene zu beherrschen. Lutz Reichert(Inspektor Lestrade) überzeugt erneut als leicht schusseliger, stets einsatzbereiter Polizeibeamter, der Holmes' Anweisungen umgehend ausführt. In weiteren Nebenrollen sind noch Horst Naumann(Wirt) als wortkarger Kneipier mit rauer Stimme, Lutz Reichert(Alter Säufer) als zustimmender Trunkenbold und Jean Paul Baeck(Mario Caproni) als um Hilfe rufendes Opfer, das auf Grund der rohen Behandlung keucht, würgt und hustet, zu hören. Nicht unerwähnt bleiben soll Marc Gruppe, der hier gleich zwei Rollen spricht: die des Giorgio Pozzi und die von Sergeant Latimer. Daß dies überhaupt nicht auffällt, liegt daran, daß er im ersten Part vor allem auf Knurren und Schnappen nach Lestrade beschränkt ist und man ihn, nachdem er geknebelt wurde, nur noch unartikuliert und dumpf hört. Als Polizist hingegen wirkt er zunächst ein wenig abgehetzt, bevor er dann in dienstlichem Ton seinem Vorgesetzten Bericht erstattet.

Fazit:
Ungewöhnlicher Fall für den Meisterdetektiv, der hier, statt zu ermitteln, ständig auf neue Ereignisse reagieren muss.

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