Rezension: Sherlock Holmes - 73 - Die trügerische Spur

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 73 - Die trügerische Spur

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Sherlock Holmes - 73 - Die trügerische Spur

Zum Inhalt:
Sherlock Holmes ist unruhig. Zu lange schon hatte er keine neuen Fall mehr. Umso erfreuter ist er, als es klingelt und ein neuer Klient vor der Tür steht. Zu seiner Überraschung handelt es sich dabei um einen Einbrecher namens Frank Belfield, den er und Dr. Watson vor einiger Zeit dingfest gemacht hatten und der das Gefängnis mittlerweile wieder verlassen durfte. Er behauptet, geläutert zu sein und bittet den Meisterdetektiv um Hilfe, da er unter dringendem Mordverdacht steht. Holmes steckt nun in einem Gewissenskonflikt: soll er dem Mann glauben oder nicht?

Zur Produktion:
Das vorliegende Hörspiel ist bereits die fünfte Adaption einer Geschichte des britischen Kriminalschriftstellers Richard Austin Freeman (11.04.1862 - 28.09.1943), der vor allem mit seinen Erzählungen rund um den Gerichtsmediziner Dr. John Evelyn Thorndyke bekannt wurde. Der englischsprachige Originaltitel der Geschichte lautet "The old Lag - Part 1 - The changed Ummutable" und erschien 1912 in dem Sammelband "The singing Bone", der in den USA unter dem Titel "The Adventures of Dr. Thorndyke" vertrieben wurde. Auch wenn es sich bei der Vorlage lediglich um den ersten Teil des Falles handelt, können Hörspielfans beruhigt sein, denn die Handlung ist trotzdem in sich abgeschlossen. Skriptautor Marc Gruppe dient Freemans Geschichte nämlich lediglich als Ausgangspunkt für seinen Plot. Das ist auch gut so, denn die Originalstory ist leider nicht nur unspektakulär, sondern regelrecht langweilig. Gruppe beginnt das Ganze dann auch gleich mit einem neuen Intro, nämlich einer kleinen Kabbelei zwischen Mrs. Hudson und dem Meisterdetektiv, welche inzwischen beinahe jedes Sherlock Holmes Hörspiel aus dem Hause Titania eröffnet. Im Anschluß greift er Freemans Geschichte kurz auf, indem er die Ankunft des Mordverdächtigen schildert, bevor er sie ab da größtenteils verlässt. Übrig bleibt u.a. noch die Sache mit den am Tatort gefundenen Fingerabdrücken. Für das Hörspiel hat er außerdem fast alle Namen der Personen und Orte entweder ausgetauscht oder ganz neu hinzugefügt. Darüber hinaus wurden die wenigen verbliebenden Szenen des Originals abgeändert und in der Reihenfolge umgestellt, was dem Ablauf der Handlung sehr förderlich ist. Das Geschehen bleibt jederzeit spannend, und als Hörer schwebt man lange im Ungewissen, wer denn nun den Mord begangen hat. Was mir besonders gut gefällt, ist die Art und Weise, wie es Marc Gruppe immer wieder gelingt, ein wenig subtilen Humor in die Handlung einfließen zu lassen. Hier sind es vor allem die Regieanweisungen für Inpektor Lestrade/Lutz Reichert, die öfter für ein Schmunzeln sorgen. Daß die Laufzeit mit ca. 81 Minuten zu Buche schlägt, liegt nicht zuletzt an dem meiner Meinung nach etwas zu lang geratenen Outro, in dem es weitere Frotzeleien zwischen Holmes, Mrs. Hudson und außerdem deren Cousine Margery Mapleton gibt.
Alles in allem macht das Hörspiel aber viel Spaß und dürfte Liebhabern des Meisterdetektivs gut gefallen.
Produktion und Regie, vorgenommen von Stephan Bosenius und Marc Gruppe, sind wie immer tadellos. Für die Musik greift man hauptsächlich auf klassische Instrumente wie Klavier, Geige, Flöte und Oboe zurück, aber es gibt auch einige Stücke, bei denen der Synthesizer eingesetzt wird. Neben der bekannten Titelmelodie, gibt es noch eine fröhliche, ebenfalls vertraute Zwischenmelodie, als die beiden Ermittler die Bakerstreet verlassen, um den Tatort aufzusuchen. Jedesmal, wenn sich die Handlung zuspitzt, werden entweder eine treibende Synthesizermelodie oder eine Abfolge düsterer, elektronisch erzeugter Töne eingespielt. Während der Abschlußerläuterungen von Sherlock Holmes hört man eine von der Oboe dominierte, tragende Weise, und zum Outro gibt es noch eine ruhige Klaviermelodie, bei der erneut auch die Oboe zum Einsatz kommt. Ebenso harmonisch und natürlich, wie die Musik unter den Szenen liegt, fällt auch die überragende Geräuschkulisse aus. Am Anfang des Hörspiels wird in der Bakerstreet der Tee eingegossen, beim Umrühren mit dem Löffel geklimpert und dazu mit der Zeitung geraschelt. Selbstverständlich fehlt auch die Türklingel nicht, und nachdem Holmes ein Streichholz entzündet hat, kann man deutlich hören, daß sein Sprecher scheinbar eine Pfeife im Mund hat, an der er pafft. Sobald jemand aufsteht, scharrt der Stuhl über den Boden, und als sich Holmes und Watson am Tatort auf die ledergepolsterten Sitzgelegenheiten niederlassen, knarren diese entsprechend. Kein auch noch so kleiner Ton wurde vergessen. Weder die knirschenden Schritte auf dem Weg zum Anwesen, noch die zum Einsatz kommende Schere oder das geschäftige Treiben im Hintergrund beim Besuch des Polizeilabors. Akustisches Highlight ist für mich aber die Szene im Zoo, wo die verschiedensten Tierstimmen und -Schreie zu hören sind.
Wie sooft beschränkt sich der Einsatz von Effekten auf unterschiedlich ausgeprägten Hall, stärker im Haus des Ermordeten, schwächer in der Vorhalle der Bakerstreet, und auf das Absenken der Lautstärke, wenn Figuren weiter entfernt vom Hörer agieren.

Zu den Sprechern:
Es ist einfach ein Vergnügen, Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) bei seiner Interpretation des genialen Detektivs zuzuhören. Wie immer wirkt er leicht herablassend bzw. ungeduldig im Umgang mit anderen Menschen, und besonders gern belehrt er den allzu sehr von sich überzeugten Inspektor Lestrade. Zu den Höhepunkten gehören definitiv auch seine spitzen Bemerkungen gegenüber Mrs. Hudson oder ihrer geschwätzigen Cousine Margery Mapleton. Ihm zur Seite, als ebenfalls zentraler Charakter, steht wie üblich Detlef Bierstedt(Dr. Watson), der außer des treuen Freundes und Chronisten auch das Intro spricht und für die Beschreibung der jeweiligen Schauplätze zuständig ist. Schon lange zählt er aufgrund seiner Darbietung zu meinen Lieblingssprechern für die Rolle des Dr. Watson. Kaum einer spielt dessen Verlegenheit und Verwirrung über Holmes' meist nicht leicht nachvollziehbare Gedankengänge, oder die spürbare Empathie für seine Mitmenschen so gekonnt wie er. Ebenso souverän agiert auch Regina Lemnitz(Mrs. Hudson) als häufig gebeutelte, dennoch immer streitbare Hausdame, die über Holmes' Äußerungen mal entrüstet, mal schlichtweg verblüfft ist, sich schließlich aber in ihr Schicksal ergibt. In Nebenrollen hört man noch Claus Thull-Emden(Frank Belfield) als aufbrausender Mordverdächtiger, der ebenso begeistert wie verdutzt auf Holmes' Schlußfolgerungen reagiert, Philine Peters-Arnolds(Margery Mapleton) als leicht überdreht plappernde, schnell empörte Cousine von Mrs. Hudson, und Lutz Reichert(Inspektor Lestrade) im Part des arroganten Polizeibeamten, der letztlich doch an der eigenen kriminalistischen Unzulänglichkeit scheitert. Weitere, teils sehr kleine Rollen übernehmen Bodo Primus(Tierwärter) als freundlicher, amüsierter, von Holmes' Beobachtungen beeindruckter Tierpfleger, sowie Marc Gruppe als zunächst etwas unsicher wirkender diensthabener Constable und zuvorkommender Polizeilaborant.

Fazit:
Gelungenes Kriminalhörspiel, dessen Outro für mich allerdings ein bisschen zu lang geraten ist.

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