Rezension: Grimms Märchen - 7 - Aschenputtel / Das Waldhaus / Das blaue Licht

Von Pettersson und Findus bis hin zu den Drei Fragezeichen - Hier wird das kindliche Ohr gefüttert
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MonsterAsyl
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Rezension: Grimms Märchen - 7 - Aschenputtel / Das Waldhaus / Das blaue Licht

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Grimms Märchen - 7 - Aschenputtel / Das Waldhaus / Das blaue Licht

Zum Inhalt:
Aschenputtel:
Ein junges Mädchen wird von seiner bösen Stiefmutter und deren Töchtern geknechtet, bekommt jedoch Hilfe von Tauben und anderen Vögeln.
Das Waldhaus:
Die älteste Tochter verirrt sich auf dem Weg zu ihrem Vater, einem Holzfäller, dem sie sein Essen bringen soll. Erst bei Einbruch der Dämmerung findet sie ein einsam gelegenes Waldhaus...
Das blaue Licht:
Ein aus dem Militärdienst entlassener Soldat hilft einer alten Frau bei diversen schweren Arbeiten. Dann bittet sie ihn, in den Brunnen zu steigen, um ihr ein blaues Licht heraufzuholen...

Zur Produktion:
Bis heute fasziniert die Märchensammlung der Sprachwissenschaftler und Volkskundler Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) Jung und Alt gleichermaßen. Dementsprechend liegt es nahe, diese Geschichten auch dem heutigen Publikum in Form von modernen Inszenierungen zu präsentieren.
Für die nun vorliegende Folge hat Titania Medien die Kinder-und Hausmärchen (nachfolgend abgekürzt mit KHM) "Aschenputtel" (KHM 21, erschienen 1812), "Das Waldhaus" (KHM 169, erschienen 1840) und "Das blaue Licht" (KHM 116, erschienen 1815) neu vertont. Wie schon bei den vorangegangenen Folgen dieser Reihe, handelt es sich um eine bunte Mischung aus bekannnten und weniger bekannten Erzählungen.
Eröffnet wird mit "Aschenputtel", einer der wohl berühmtesten Geschichten der Gebrüder Grimm. Das liegt unter anderem daran, daß diese in Form von Opern, Dramen, Theaterstücken, Ballett- und Musicaladaptionen und natürlich etlichen Film- und Fernsehversionen immer wieder ins kollektive Gedächtnis gerufen wurde. Nebenbei bemerkt gibt es in Wuppertal und Weißenfels Märchenbrunnen mit Aschenputtelmotiven, während Skulpturen bzw. Statuen unter anderem die Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain und dem Schulenburgpark in Berlin zieren.
Hörspielskriptautor Marc Gruppe bleibt bei seiner Version dicht an der literarischen Vorlage und ergänzt diese nur mit wenigen neuen Dialogen. Außerdem sind diverse veraltete Begriffe durch heutzutage üblichere Wörter ersetzt worden. So wird beispielsweise hier aus "Reis" der "Reisig", aus "Schuck" der "Schuh" und "ausgestickt" wird in "bestickt" geändert. Etwas irritierend mag Gruppes Inklusion des doch sehr harten Wortes "Dreckstück" wirken, allerdings bezieht sich dieses nicht auf den Charakter, sondern das Ausssehen von Aschenputtel, die ja bekanntermaßen auf dem schmutzigen, aschebedeckten Boden vor dem Herd schlafen muss. Zu meinem großen Erstaunen findet sich der hier vorhandene und für uns so Märchen-typische Abschlußsatz: "Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende." in der schriftlichen Version nicht wieder. Umso schöner finde ich, daß Herr Gruppe ihn noch eingefügt hat.
Im Gegensatz zu "Aschenputtel", dürfte "Das Waldhaus" eher zu den unbekannteren Erzählungen der Grimms gehören, was auch daran liegen mag, daß diese recht kurz ausfällt und in anderen Medien bisher nur in Form einer Märchenkomödie mit Musik aus dem Jahr 2010 ausgewertet wurde. Gruppe hat die Geschichte fast 1:1 übernommen, lediglich das Wort "Drecksviehcher", als abfällige Bemerkung über die Tiere im Waldhaus, und der letzte Satz: "Wenn sie sich gebessert haben, sollen sie im Schloß willkommen sein." sind neu dazugekommen. Gerade dieser Satz ist es jedoch, der dem Märchen erst einen wirklich versöhnlichen Schluß und damit ein, vor allem für die Kinder, befriedigendes Ende gibt.
Als dritte und zugleich letzte Geschichte bekommt der Hörer Marc Gruppes Version von "Das blaue Licht" präsentiert. Dem einen oder anderen mag die Handlung bekannt vorkommen, was daran liegt, daß es noch eine von Hans Christian Andersen geschriebene und unter dem Titel "Das Feuerzeug" veröffentlichte Variante gibt. Wie schon bei "Das Waldhaus", hat der Skriptautor auch hier kaum Veränderungen gegenüber der Grimmschen Version vorgenommen. Neu sind lediglich einige schmückende Adjektive, beispielsweise wird der Soldat von Gruppe als "gutaussehend" beschrieben, und zwei kurze Sätze zum Ende: "Der Soldat regierte das Land lange und gerecht und führte ein glückliches Leben mit der Königstocher." sowie der, für den Abschluß einer Märchen-CD unbedingt notwendige, finale Satz: "Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.".
Allen drei Geschichten ist gemeinsam, daß der überwiegende Teil des Erzählertextes in Dialoge umgewandelt worden ist, um dem Medium gerecht zu werden.
Ebensoviel Sorgfalt wie in die Auswahl der Sprecher, haben die Produzenten und Regisseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe auch bei der Musik und den Geräuschen an den Tag gelegt. Für die musikalische Untermalung hat man auf klassische Instrumente wie Geige, Harfe und diverse Blasinstrumente zurückgegriffen, teilweise ist aber auch ein ganzes Orchester zu hören.
"Aschenputtel" ist beinahe durchgängig mit einer wohlklingenden, ja fast tragenden Weise unterlegt. Außerdem gibt es eine mittelalterlich anmutende und eine besonders harmonische Harfenmelodie zu hören, während zum Tanz auf dem Schloss selbstverständlich ein Walzer ertönt. "Das Waldhaus" wird überwiegend von einer fröhlichen Flötenmelodie begleitet, dazu kommt noch ein klagendes Geigenstück, und zum Abschluß spielt ein ganzes Orchester auf. Bei "Das blaue Licht" wechseln bedrückende, dramatische und fröhliche Weisen einander ab, besonderes musikalisches Highlight ist hier die bekannte Melodie aus dem "Zauberlehrling".
Perfekt zu den Geschichten passend sind auch die eingespielten Geräusche. Im Märchen vom "Aschenputtel" zwitschern die Vögel und schlagen mit ihren Flügeln, die Menschenmenge im Ballsaal murmelt leise im Hintergrund, die Pferde der Kutsche wiehern bzw. galoppieren überzeugend, und zur Hochzeit läuten selbstverständlich die Kirchenglocken. Sehr gut gefallen hat mir das Geräusch, als die Erbsen in die Linsen geschüttet werden, sowie das Herausziehen des Messers aus dem Messerblock. Bei der Erzählung "Das Waldhaus" bekommt der Hörer, je nach Tageszeit, mal tagaktive, mal nachtaktive Vögel zu hören. Die große Falltür knarrt entsprechend, und selbst das metallische Klappern der Laterne wurde nicht vergessen. Auf dem Höhepunkt des Geschehens knarzen die Balken, Fenster und Türen schlagen heftig, und zum Abschluß kommt es sogar zu einer Art Explosion. Auch "Das blaue Licht" kann mit einer Vielzahl unterschiedlichster Töne punkten. Die Grillen zirpen, die Katze der alten Frau maunzt aufgeregt, der Hahn kräht, und die Vögel zwitschern fröhlich. Wirklich gut gelungen finde ich die Schritte auf dem Waldboden und den feuchten Brunnen, bei dem das Wasser von den Wänden tropft und in dem ein kalter Wind pfeift. Auch die kleineren Geräusche, wie das Fegen mit dem Besen oder die unter den Füßen knarrenden Dielen, wurden nicht vergessen. Überaus beeindruckend wirkt auch die akustische Darstellung des Gefängnisgitters und das "Zaubergeräusch" beim Erscheinen des kleinen Männleins.
Um das Ganze noch intensiver zu gestalten, kommen hier auch etliche Effekte zum Einsatz. Sprecher werden leiser eingespielt, wenn sie von weiter weg rufen, die Stimmen der Tier bzw. Diener im Waldhaus und die der beiden Täubchen sind übereinandergelegt worden. Je nach Örtlichkeit wird starker oder eben leichter Hall eingesetzt, und wenn Protagonisten tief fallen, sind deren Schreie entsprechend langgezogen.

Zu den Sprechern:
In allen drei Märchen wird erneut der großartige Peter Weis(Erzähler) eingesetzt, der mit dynamischer Stimme das Geschehen begleitet.
Nachfolgend nun die Sprecher der einzelnen Geschichten:

Aschenputtel:
Anita Lochner(Mutter) hat zwar nur einen kurzen Auftritt als Aschenputtels sterbende Mutter, aber durch ihre große Eindringlichkeit bleibt sie dem Hörer noch lange im Gedächtnis. Gleiches gilt auch für Manfred Kiptow(Vater) in der Rolle des liebevollen Vaters, dem jedoch seine Stieftöchtern und ihr forderndes Verhalten oftmals auf die Nerven gehen. Sprecherisches Highlight ist für mich aber einmal mehr die unvergleichliche Reinhilt Schneider(Aschenputtel) in der titelgebenden Rolle. Ihr Schluchzen beim Tod der Mutter ist herzzerreißend, und als Hörer teilt man ihre Fassunglosigkeit angesichts der Hinterlistigkeit ihrer Stiefmutter. Cornelia Meinhhardt(Stiefmutter) ist klasse als Aschenputtels durch und durch böse neue Mutter, die aber auch gegenüber ihren eigenen Töchtern nicht viel Federlesen macht. Maximiliane Hacke(Stiefschwester) und Fabienne Hesse(Stiefschwester) überzeugen als hämisch kichernde, überhebliche und Aschenputtel ständig herabwürdigende Schwestern, die sich auch untereinander nicht die Butter auf dem Brot gönnen.
Im krassen Gegensatz dazu steht Louis Friedemann Thiele(Prinz) als freundlicher Adelssohn, der fest entschlossen ist, nur das richtige Mädchen zu heiraten. Luisa Wietzorek(Täubchen) leiht ihre liebliche Stimme den beiden hilfreichen Vögeln, und Jan Makino(Ballgast), Regine Lamster(Ballgast), Bernd Kreibich(Ballgast) und Beate Gerlach(Ballgast) treten als von Aschenputtels Schönheit zunächst verblüffte, dann geradezu begeisterte bzw. bewundernde Besucher auf.
Das Waldhaus:
Bodo Primus(Holzhauer) als liebevoller, vorauschauender Vater ist ebenso gut besetzt, wie Daniela Thuar(Holzbauerin) als seine zunächst ein wenig gleichgültig wirkende Ehefrau, die sich dann aber zumindest um die jüngste Tochter sorgt. Janina Sachau(Grete) spielt die mürrische, unwillige älteste Tochter und Reinhilt Schneider(Liesel) ist hier nicht als jüngste, sondern als die mittlere Tochter besetzt worden. Dadurch hat sie Gelegenheit, mal zu zeigen, daß sie durchaus nicht immer nur sanft, sondern auch ärgerlich und genervt klingen kann. Den Part der Jüngsten hat Luisa Wietzorek(Clärchen) inne, deren wohlklingende Stimme perfekt zu dem freundlichen, aufmerksamen Mädchen passt, das sie spricht. Die raue Stimme von Horst Naumann(Alter Mann) eignet sich perfekt zur Darstellung des greisen Besitzers des Waldhauses, dessen Vortrag von einer tiefen Traurigkeit und Skepsis gegenüber seinen Besucherinnen durchzogen ist. Jan Makino(Königssohn) agiert derart emotionsvoll, daß man als Hörer gar nicht anders kann, als seine Begeisterung und das anschließende Glück mit Clärchen zu teilen. Die von den Besucherinnen ebenfalls wenig angetanen Tiere werden von Anita Lochner(Schön-Hühnchen), Bernd Kreibich(Schön-Hähnchen) und Cornelia Meinhardt(Bunt-gescheckte Kuh) mit kehligen Lauten intoniert bzw. zuvorkommenden Worten gesprochen.
Das blaue Licht:
Bene Gutjans(Soldat) Portrait des ehemaligen Militärangehörigen, der sich teilweise unbesorgt, ja geradezu leichtsinnig verhält, ist jederzeit stimmig und fällt so sympathisch aus, daß man ihm auch als Hörer nur das Beste wünscht. Rainer Gerlach(König) geht in der Rolle seines ehemaligen Lehnsherrn vollkommen auf und spricht den hochmütigen, undankbaren Herrscher so lange mit harter Stimme, wie er sich in einer besseren Position als sein Untergebener befindet.
Am meisten gefallen hat mir in dieser Geschichte aber Beate Gerlachs(Hexe) Darstellung der hinterhältigen, verschlagenen alten Frau, welche den Soldaten nur bezirzt, um ihr Ziel zu erreichen. Hut ab auch vor Willi Röbke(Männlein) als zuvorkommendes, den Soldaten in jeder Lage unterstützendes Zauberwesen, und vor Reinhilt Schneider(Prinzessin) als zuerst fassungslose, später demütige Monarchentochter. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch Marelene Bosenius(Kind) als begeistertes kleines Mädchen und Bernd Kreibich(Kamerad) als ehemaliger Gefährte des Soldaten, der zunächst zögerlich und verständnislos auf dessen Bitte reagiert, bei dem die Gier dann aber doch die Oberhand gewinnt.

Fazit:
Drei insgesamt fast 79 Minuten umfassende, phantasievolle Märchenabenteuer.

Das Hörspiel Grimms Märchen - 7 - Aschenputtel / Das Waldhaus / Das blaue Licht
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