Rezension: Grimms Märchen - 8 - Der Teufel mit den drei goldenen Haaren - Die Sterntaler - Hans mein Igel

Von Pettersson und Findus bis hin zu den Drei Fragezeichen - Hier wird das kindliche Ohr gefüttert
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MonsterAsyl
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Rezension: Grimms Märchen - 8 - Der Teufel mit den drei goldenen Haaren - Die Sterntaler - Hans mein Igel

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Grimms Märchen - 8 - Der Teufel mit den drei goldenen Haaren - Die Sterntaler - Hans mein Igel

Zum Inhalt:
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren:
Da einem bösartigen König die Weissagung, ein junger Mann mit Glückshaut werde eines Tages seine Tocher heiraten, nicht gefällt, versucht er, den Knaben zu etränken, um die zukünftige Ehe zu verhindern. Als dies misslingt, lässt er sich neue Schikanen einfallen..
Die Sterntaler:
Ein kleines und herzensgutes Mädchen gibt alles, was es besitzt, an Bedürftige. Dafür wird es schließlich reich belohnt...
Hans mein Igel:
Ein Bauer, der unglücklich darüber ist, daß er keine Kinder hat, wünscht sich einen Sohn - und sei es ein Igel. Sein Wunsch wird wortgetreu erfüllt, seine Frau gebiert ihm einen Sohn, halb Igel und halb Mensch. Da der Bauer nichts mit ihm anfangen kann, ist er froh, als "Hans mein Igel" das elterliche Haus eines Tages verlässt, um sein Glück zu machen...

Zur Produktion:
Die Märchen auf dieser ca. 73 Minuten langen CD (Kinder- und Hausmärchen, nachfolgend abgekürzt mit "KHM", Der Teufel mit den drei goldenen Haaren [KHM 29], Die Sterntaler [KHM 153] und Hans mein Igel [KHM 108) könnte man grob unter dem Begriff "Schicksal" zusammenfassen. "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" beginnt mit der Geburt des "Glückskindes", welches auch eine "Glückshaut" hat. Was das genau sein soll und wie sie aussieht, bleibt bei den Grimms offen und auch Skriptautor Marc Gruppe verzichtet wohlweißlich auf eine Erklärung, denn schliesslich soll ja der märchenhafte Charakter der Geschichte erhalten bleiben. Wer es trotzdem wissen will, findet dazu Informationen im Internet. Gruppes Veränderungen gegenüber der literarischen Quelle sind äußerst gering. So heißt es bei den Grimms, daß das Glückskind mit 14 heiratet, ein damals übliches Alter, welches der Skriptautor auf heute etwas aktzeptablere 16 hochgesetzt hat. Des Weiteren benennt er das das Material, (Holz) aus dem die Kiste, in der das Glückskind ausgesetzt wird, gefertigt wurde. Außerdem lässt Gruppe das Müllerehepaar selbst das Glückskind finden, statt der Mahlbursche, wie bei den Grimms. Das beeinflusst die Handlung in keinster Weise und spart eine Rolle ein. Ansonsten gibt es nur einen kurzen zusätzlichen Dialog zwischen dem König und einer Wirtsfrau, um zu erklären, wie der König von dem Glückskind erfahren hat. Darüber hinaus sind einige schmückende Adjektive dazugekommen und der veraltete Begriff "Ellermutter" für "Großmutter" weggefallen. Der letzte Satz lautet im Hörspiel ein wenig anders, denn mit "Was glaubt denn ihr?" wendet sich der Erzähler direkt an das kindliche Publikum. Gerade diese Abänderung gefällt mir sehr gut, da auf diese Weise die jungen Hörer direkt angesprochen und somit einbezogen werden.
Zu dem Märchen "Die Sterntaler" gibt es auch aufgrund der extremen Kürze der Geschichte wenig zu sagen. Im Prinzip übernimmt Gruppe die Geschichte 1:1, lediglich die Nachbarin, die dem Mädchen das Brot gibt, ist neu hinzugekommen.
Auf die dritte und letzte Geschichte, "Hans mein Igel", war ich besonders gespannt, da ich sie noch gar nicht kannte. Im Vergleich mit der grimmschen Vorlage ist mir aufgefallen, daß Marc Gruppe hier ein paar Kleinigkeiten verändert hat. So ist nicht nur der Spruch "Umsonst ist nur der Tod und der kostet das Leben" in der literarsichen Vorlage nicht zu finden, auch der Hinweis, daß die Prinzessin von Hans mein Igel derart zerstochen wird, daß sie nie wieder einen Mann bekommt, ist neu. Letzteres mag sich vielleicht ein wenig brutal anhören, ist aber eine durchaus angemessene Strafe für das Fehlverhalten der zickigen Königstochter, welches Gruppe mit seinem Skript zuvor so hervorragend herausgearbeitet hat. Die Sprache wurde nur unbedeutend "modernisiert", und so ist beispielsweise aus "elfe" wieder "elf" geworden. Die einzige signifikannte Änderung betrifft das Ende, welches hier etwas detailreicher, aber absolut passend ausfällt. Daß ganz am Schluß die Dudelsackmusik abbricht und damit auch die Geschichte beendet ist, finde ich äußerst gelungen.
Die Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe wird die erwachsenen Hörer ebenso begeistern wie das kindliche Publikum. Alle Märchen sind mit passender Musik unterlegt, und es kommen ausschließlich klassische und jeweils passende Instrumente zum Einsatz. Bei "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" ist es vor allem der schöne Chorgesang, der wohl den meisten Hörern im Gedächtnis bleiben wird. Des Weiteren werden noch diverse Streichinstrumente wie die Geige und der Bass eingesetzt, aber auch das Klavier und sogar eine Laute sind zu hören. Die Melodien unterstreichen die jeweilige Stimmung in den einzelnen Szenen. So gibt es zu Beginn neben dem Choral noch eine harmonische Klavierweise, und der Auftritt des Teufels ist mit orchestraler Musik dramatisch vertieft. Kinder dürften ihren größten Spaß an der lustigen Melodie haben, mit der das Ausreißen der goldenen Haare begleitet wird.
Um den sanften Charakter der kleinen Hauptfigur noch mehr herauszuarbeiten, sind die Melodien bei "Die Sterntaler" überwiegend mit Geige und Harfe intoniert worden, lediglich zum Schluß gibt es noch eine kurze Fanfare zu hören.
"Hans mein Igel" hebt sich musikalisch insofern von den anderen Märchen ab, als daß hier vor allem die Blasinstrumente vorherrschen, wenngleich auch diverse Streichinstrumente Verwendung finden. Meist sind beschwingte Musikstücke zu hören, die den fröhlichen, freundlichen Charakter des "Hans mein Igel" (die Figur heißt wirklich so) noch verstärken. Selbiger spielt am liebsten auf einem Dudelsack, ein wirklich ungewöhnliches Instrument, das auch den Grimms schon bekannt war. Wer diese Musik nicht so mag, wird aber mit einer wirklich hübschen Geigenmelodie mehr als entschädigt.
Wie von Titania Medien gewohnt, werden auch hier alle Szenen mit einer Vielzahl von Geräuschen zum Leben erweckt.
"Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" wartet unter anderem mit einer Menschenmenge im Gasthaus, dem Klimpern von Geldstücken, klapperndem Zaumzeug, heulendem Wind und dem geschäftigen Treiben an den Eingängen der drei Schlösser auf. Besonders beeindruckt hat mich hier das akustisch perfekt gestaltete Mühlrad und sein Wehr, sowie die vielen kleinen, bei anderen Labels gern mal vernachlässigten Töne. So kratzt die Schreibfeder auf dem Pergament, und die Ruder im Kahn quietschen bei jedem Schlag.
Die extrem kurze Geschichte "Die Sterntaler" kommt mit Vogelzwitschern, im Wind leise raschelnden Gräsern und entfernt schlagenden Kirchenglocken aus.
Bei "Hans mein Igel" hört man vor allem die zu erwartenden Bauernhoftiere. Die Kühe muhen, die Ziegen meckern, die Schweine grunzen, die Hühner gackern und die Esel schreien das bekannte "Iiiaaah". Bei der Ankunft des Königs im Schloß ist im Hintergrund eine größere Anzahl Menschen zu vernehmen, Hunde bellen aufgeregt,und Vögel zwitschern um die Wette. Highlight sind aber mit Sicherheit die Soldaten, die mit klirrenden Schwerten und Lanzen Hans mein Igel einen unerfreulichen Empfang bereiten.
Für die unterschiedlichen Handlungorte, also die Säle im Schloß oder die Kirche, sind die Sprecher mit Hall unterlegt worden, wobei ich ausdrücklich betonen möchte, daß sich diese Halleffekte klar unterscheiden und man so als Hörer das Gefühl hat, sich bei der Taufe selbst in einem Gotteshaus zu befinden.
Nur bei "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" kommt noch ein weiterer Effekt zum Einsatz. Als das Glückskind in eine Ameise verwandelt wird, ist seine Stimme derart verfemdet, daß sie dünner und höher klingt, um seine geringe Größe auch akustisch darzustellen.

Zu den Sprechern:
Wie üblich beginne ich mit meiner Beurteilung der einzelnen Sprecher mit Peter Weis(Erzähler), der diesen Part in allen drei Geschichten übernimmt. Es ist einfach großartig, wie sorgfältig und emotional er seinen Text spricht. Seine punktgenau Betonung reißt den Hörer förmlich mit, und man hat jederzeit den Eindruck, daß er die Gefühle der Protagonisten teilt.

Nachfolgend nun die Sprecher der einzelnen Märchen:

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren:
Nicolas König(Vater) intoniert den stolzen Erzeuger, der von dem verlockenden Angebot des Königs zunächst begeistert ist, bevor er durch die Zweifel seiner Frau leicht verunsichert wird. Seine Gattin wird von Sigrid Burkholder(Mutter) gesprochen, die ihrer Stimme den notwendigen liebevollen und auch ein wenig traurigen Ausdruck gibt. Marlene Bosenius(Säugling) muss hier nur das tun, was ein Baby so macht, nämlich fröhlich glucksen oder lauthals weinen.
Hans-Georg Panczak(König) ist einfach großartig in der Rolle des verschlagenen, herrisch agierenden Wüterichs, dem seine Gier schließlich zum Verhängnis wird. Beate Gerlach(Wirtin) ist als freundliche, etwas schwatzhafte Gastwirtin ebenso überzeugend, wie Manfred Liptow(Müller) in seinem Part als überraschter und zugleich amüsierter älterer Mühlenbesitzer oder Cornelia Meinhardt(Müllerin) als seine ebenso überrraschte Frau. Louis Friedemann Thiele(Glückskind) ist einfach klasse in seiner Rolle des gutgelaunten, furchtlosen Jugendlichen, der auf sein Glück vertraut. Viel Spaß macht auch Gerlinde Dilge(Räubermutter) als verblüffte ältere Frau, die das Glückskind nicht nur bedauert, sondern fest entschlossen ist, ihm zu helfen. Helmut Zierl(Räuber) und Lutz Reichert(Räuber) runden als raue aber herzliche Ganoven die Räuberbande ab. Die Monarchin Ingeborg Kallweit(Königin) reagiert leicht verwundert auf den Brief ihres Mannes, während ihrer Tochter Regine Lamster(Königstochter) hocherfreut ist und sich umgehend Sorgen um ihren Liebsten macht, als sie von der schweren Aufgabe erfährt, die ihr Vater ihm abverlangt. Bodo Primus(Torwächter) und Willi Röbke(Torwächter) sind die jeweiligen Posten, die dem Glückskind wichtige Fragen stellen und sich nach deren Beantwortung überaus dankbar zeigen. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch Rainer Gerlach(Fährmann) als alter Kahnführer, der mit seinem Schicksal hadert. Sprecherisches Highlight sind für mich jedoch Thomas Balou Martin(Teufel), der den brummigen, sich in seiner Schlechtigkeit aalenden Leibhaftigen mit kratziger Stimme spricht, und Regina Lemnitz(Teufels Großmutter) als seine nachdenkliche Oma, die Mitleid mit dem Glückskind hat und ihm hilft.
Die Sterntaler:
Aufgrund der Kürze der Geschichte haben alle Beteiligten zwar nur einen kleinen, aber immer überzeugenden Auftritt. Marlene Bosenius(armes Kind) gibt eine tadellose Darbietung als verängstigtes, liebes kleines Mädchen mit übergroßem Herzen für seine Mitmenschen, Daniela Thuar (Tante) ist toll als garstige Verwandte, und Sigrid Burkholder spielt die freundliche, wesentlich liebevollere Nachbarin. Weiter Kurzauftritte erfolgen durch Manfred Liptow(alter Mann) als heruntergekommener Greis, der seine Armut bejammert, und Janina Sachau(Kind) in der Rolle des stark frierenden Mädchens.
Hans mein Igel:
Helmut Zierl(Bauer) ist der enttäuschte Landwirt, den seine Kinderlosigkeit sehr zornig macht. Seine Gattin Sigrid Burkholder(Bäuerin) ist über dessen gedankenlosen Wunsch zwar entsetzt, aber trotzdem glücklich, als sie das Igelkind bekommt.
Nicolas König(Bauernlümmel) ist in seiner Rolle des schadenfrohen Rüpels genauso stark wie Willi Röbke(Pfarrer) als salbungsvoller,überaus skeptischer Geistlicher. Tom Raczko(Hans mein Igel) überzeugt auf ganzer Linie mit seinem Part des aufgeweckten, bescheidenen und fröhlichen jungen Mannes, der allerdings auch sehr brutal agieren kann. Janina Sachau(Magd) überzeugt als ungeduldige Trine, die Hans mein Igel in ihr Herz geschlossen hat und die die Erste ist, die ihn wiedererkennt. Gleiches gilt auch für Bernd Kreibich(König) als verwunderter und neugieriger Monarch, den sein Versprechen verlegen macht. Reinhilt Schneider(Prinzessin) tritt in der Rolle seiner Tochter zwar zunächst wie gewohnt mit lieblicher Stimme auf, wandelt sich dann aber zu einer wütenden, regelrecht bösartigen Kratzbürste, die gar nicht daran denkt, das Versprechen des Vaters einzuhalten. Die heisere Stimme von Herbert Tennigkeit(alter König) passt perfekt zu dem in die Jahre gekommenen Monarch, der es aber im Gegensatz zu seinem "Kollegen" ehrlich mit Hans mein Igel meint und gegenüber seiner Tochter sehr bedrückt agiert. In einem ebenso starken Kontrast zu der anderen Prinzessin spielt auch Maximiliane Häcke(Königstochter), die trotz ihrer anfänglichen Furcht entschlossen ist, das gegebene Versprechen zu halten und dabei letztlich ihr Glück findet. In weiteren Nebenrollen sind noch Marlene Bosenius(Säugling) als schreiendes Baby, Bodo Primus(Arzt) als leutseliger, den König beruhigender Mediziner, sowie Marc Gruppe(Kutscher) als seinem Herrn gegenüber loyaler, durch das Zusammentreffens mit Hans mein Igel schwer verwunderter Wagenlenker zu hören.

Fazit:
Drei wunderschöne Märchen, liebevoll und aufwendig in Szene gesetzt.

Das Hörspiel Grimms Märchen - 8 - Der Teufel mit den drei goldenen Haaren - Die Sterntaler - Hans mein Igel
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