Rezension: Grimms Märchen - 14 - Die Bremer Stadtmusikanten - Die Wassernixe - Die wahre Braut

Von Pettersson und Findus bis hin zu den Drei Fragezeichen - Hier wird das kindliche Ohr gefüttert
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MonsterAsyl
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Rezension: Grimms Märchen - 14 - Die Bremer Stadtmusikanten - Die Wassernixe - Die wahre Braut

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Grimms Märchen - 14 - Die Bremer Stadtmusikanten - Die Wassernixe - Die wahre Braut

Zum Inhalt:
Die Bremer Stadtmusikanten: Vier alte Tiere, ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn, sollen von ihren Besitzern getötet werden, da sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Sie suchen ihr Heil in der Flucht und beschließen, in Bremen Stadtmusikanten zu werden. Doch auf dem Weg dorthin kommen sie an ein einsames Haus mitten im Wald...
Die Wassernixe: Zwei Kinder fallen beim Spielen in einen Brunnen. Dort haust eine Wassernixe, die sie zu unmöglichen Arbeiten zwingt. Schon bald überlegen die beiden, wie sie der bösartigen Alten entkommen können...
Die wahre Braut: Gerda lebt bei ihrer boshaften Stiefmutter, die nichts anderes zu tun hat, als sie mit unausführbaren Aufträgen zu drangsalieren. Traurig versucht das junge Mädchen, trotzdem alle Wünsche zu erfüllen, jedoch vergebens. Da erhält sie plötzlich Hilfe von unerwarteter Seite...

Zur Produktion:
Auch für die 14. Folge aus der Reihe "Grimms Märchen" hat das Label Titania Medien eine bunte Mischung aus bekannten und weniger bekannten Märchen zusammengestellt. Zur Eröffnung gibt es die wohl bekannteste der drei Geschichten, "Die Bremer Stadtmusikanten" (Kinder- und Hausmärchen 27, nachfolgend abgekürzt mit KHM). Da die Erzählung erstmals 1819 von den Gebrüdern Grimm, also Jacob (1785–1863) und Wilhelm (1786–1859), veröffentlicht wurde, gibt es etliche veraltete Begriffe, die Hörspielskriptautor Marc Gruppe behutsam durch heutzutage verständlichere ersetzt hat. So wurde beispielsweise aus "jappte" das bekanntere "japste", statt "ersäufen" heißt es nun "ertränken", und aus "...so muss es eine Art haben" wird "...sehr schön klingen". Darüber hinaus hat Gruppe etliche Monologe in Dialoge umgeschrieben und die Geschichte um einige Begriffe oder auch Füllsätze erweitert. Neu hinzugekommen sind unter anderem der Begriff "selbstmurmelnd" und die Sätze "Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht." und "Sicher ist sicher.". Sämtliche sonstigen Änderungen liegen im Detail und stellen keinen Eingriff in den eigentlichen Text dar. So hat Gruppe beispielsweise die Anzahl der Räuber auf drei festgesetzt, der Esel legt sich hier auf einen Heuhaufen statt auf einen Misthaufen, und einer der Räuber erhält vom Esel einen Tritt und keinen Schlag, wie bei den Grimms. Interessanterweise erkennen die Tiere schon vor dem Besuch des einsamen Waldhauses, daß es sich dabei um eine "Räuberhöhle" handeln muss. Ich vermute, daß Gruppe dies absichtlich eingefügt hat, damit jüngere Zuhörer schon wissen, was da gleich auf sie zukommen wird, bzw. sich nicht zu sehr vor dem Auftritt der wilden Gesellen erschrecken. Gut gefallen hat mir, daß der für mich heute einfach zu fremd und ungebräuchlich klingende finale Satz: "Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm." hier einfach weggelassen wurde und das Märchen stattdessen mit dem klassischen Schluss: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." endet.
Bei der zweiten, gleichzeitig auch kürzesten Erzählung, "Die Wassernixe"(KHM79), gibt es nur sehr wenige Änderungen gegenüber der literarischen Vorlage.
So sind die Kinder hier "unglücklich" statt "ungeduldig", und aus der "Kirche" wird die viel nachvollziehbarere "Unterwasserkirche". Daß im Hörspiel die Wassernixe zuerst die Kinder erblickt und nicht umgekehrt, spielt für den Ablauf ebensowenig eine Rolle, wie der neu hinzugekommene Abschlußsatz, den ich hier nicht verraten werde, der aber wesentlich besser zu dem Märchen passt.
Auch für die dritte und letzte Geschichte gilt, was ich schon zu den beiden vorangegangenen geschrieben habe. Es gibt nur wenige Füllsätze, und etliche Monologe werden in Form von Dialogen wiedergegeben. Neu hinzugekommen sind Sätze wie "...und träumte selig", "Das kann doch nicht Euer Ernst sein!" und natürlich der Abschlußsatz: "Sie lebten glücklich und selig in ihrem Schloß bis an ihr Lebensende.". Ansonsten sind noch einige neue, schmückende Adjektive hinzugefügt worden, wie "garstig" im Zusammenhang mit der Schwiegermutter, das Kälbchen ist ein "munteres", die Stimme "lieblich" und das Hirtenkleid hier ein "einfaches, ärmliches". Begriffe mussten für das Hörspiel nicht geändert werden, lediglich das Wort "Sammet" ist mit "Samt" ersetzt worden.
Hinter der detailverliebten Produktion und der Regie stecken die beiden Titania Medien-Labelbetreiber Stephan Bosenius und Marc Gruppe, die einmal mehr sämtliche Register gezogen haben, um uns ein optimales Hörerlebnis zu bieten.
Für die musikalische Untermalung kommen nur "klassische" Instrumente, also diverse Blas- und Streichinstrumente, sowie das Klavier zum Einsatz. Bei "Die Bremer Stadtmusikanten" ertönen eine sehr melodische orchestrale Weise, eine unheimlich wirkende Streichermelodie (auf dem Weg zum Räuberhaus), ein mittelalterlich wirkendes Stück und eine fröhliche Flötenmelodie. "Die Wassernixe" enthält ein ganz bekanntes klassisches Musikstück, dessen Titel ich leider nicht kenne, und zum Abschluß noch eine von Streichinstrumenten begleitete Klaviermelodie. Bei der dritten und letzten Erzählung, "Die wahre Braut", gibt es zu Beginn ein dramatisch anmutendes orchestrales Stück, das anschließend von einer fröhlichen Melodie abgelöst wird. Auch danach herrscht in der Musik ein heiterer Grundton vor, der schließlich in einer schwungvollen Streichermelodie gipfelt. Zum Ausklang hat dann nochmal ein komplettes Orchester seinen Auftritt. Alle Stücke dienen dazu, die Stimmung der jeweiligen Szene dezent zu unterstreichen.
Akustisches Highlight sind für mich aber, wie sooft, die unzähligen Geräusche, die bei jeder Geschichte zu hören sind. In "Die Bremer Stadtmusikanten" zwitschern die Vögel, und dazu weht ein leiser Wind. Die Eselhufe klappern auf der Straße, die Schafe blöken auf dem Hof des Hahns, und nachts haben Grillen und diverse Nachtvögel ihren Auftritt. Der Hahn flattert mit seinen Flügeln, eine Scheibe zerbricht lautstark, und man kann deutlich hören, daß sich der Esel auf einem Holzboden befindet (wie haben die das nur gemacht?). Außerdem rascheln die Sträucher, durch die der Räuber zum Haus gelangt, und selbstverständlich knarrt dessen Tür beim Öffnen. "Die Wassernixe" ist erfüllt von melodischem Vogelzwitschern, während etwas Wind durch die Gräser streicht. Unter Wasser blubbert und plätschert es, und wenn gezaubert wird, erklingt dazu ein entsprechender Ton. Besonders gut gefallen hat mir das "Grollen", sobald einer der Zaubergegenstände benutzt wird. Auch im dritten Märchen, "Die wahre Braut", taucht der Zauberton wieder auf, eine Wiederholung, die es besonders den kleinen Hörern einfacher machen dürfte, das Geschehen richtig einzuordnen. Neben dem Vogelgezwitscher wird hier noch ein Stuhl gerückt, ein Löffel auf den Tisch geknallt, und am Teich quaken die Frösche. Eindrucksvoll rollen die Steine herbei, bevor sie aneinander reiben. Großartig ist auch das Treppensteigen, bei dem man hören kann, daß die Protagonisten die Stufen tatsächlich hinab- und nicht etwas hinaufgehen. Mindestens ebenso beeindruckend sind die vielen Menschen im Schloß, die im Hintergrund agieren, sowie die Kutsche, mit der das glückliche Paar in den Sonnenuntergang fährt.
Offensichtliche Effekte habe ich nur bei "Die wahre Braut" ausmachen können. So wurden die Dialoge in der Schloßhalle und im Keller mit leichtem Hall unterlegt, um deren Größe akustisch darzustellen. Außerdem gibt es einen langezogenen Schrei, welcher verdeutlicht, wie tief die Person fällt.

Zu den Sprechern:
Wie immer nenne ich Peter Weis als ersten, da er in allen drei Geschichten die Funktion des Erzählers übernimmt. Wenn man diese Märchen hört, wird einem nochmals bewusst, was für einen großen Verlust die Hörspielwelt durch seinen Tod erlitten hat. Weis betont stets punktgenau und lässt dazu auch gerade so viele Emotionen in seine Texte einfließen, daß es nicht dominant wirkt, dem Hörer aber dennoch im Gedächtnis bleibt.

Die Bremer Stadtmusikanten:
Also, was die die vier "Tier"-Darsteller hier abliefern, ist einfach großartig. Eckart Duxs(Esel Schlaumeier) raue Stimme passt hervorragend zu der Figur des alten Esels, der seine Sätze mit einem "Iah" garniert. Er bedauert alle Tiere, die in derselben Situation sind wie er, und es macht schon viel Spaß, wenn er dann mit der ganzen "Meute" in die "Räuberhöhle" eindringt. Ebenso überzeugend ist auch die Darbietung von Willi Röbke(Hund Packan), der mit heiserer Stimme spricht und selbstverständlich ab und zu ein "Wuff" oder einen Hechler einstreut. Obwohl Hund und Katz sich ja häufig nicht riechen können, lässt es sich Röbke nicht nehmen, sogar die schnöde von ihren Besitzern im Stich gelassene Katze ebenfalls zu bemitleiden. Ein besonderes Lob hat auch Ursula Sieg(Katze Bartputzer) verdient, die den Stubentiger intoniert. Sie spricht ihre Rolle passenderweise mit leicht schmeichelndem Unterton, obwohl sie es nicht lassen kann, ihren "Erzfeind", den Hund, bei jeder Gelegenheit freundlich zu necken. Highlight ihrer Darbietung ist aber die Attacke auf die bzw. den Räuber, bei der sie zischt und kratzt, wie es eine Katze eben tut, wenn sie angreift. Mindestens auf Augenhöhe, wenn nicht sogar noch besser, spielt auch Bernd Kreibich(Hahn Rotkopf), der sich mit einem schwachen Krähen einführt. Sein Kikeriki klingt authentisch, und es ist schon sehr erheiternd, wenn er jede Gelegenheit nutzt, nicht selber laufen zu müssen. Darüber hinaus gurrt er manchmal wie ein Huhn, und wenn er seine Bedenken äußert, sich ausgerechnet auf die ja eigentlich Vögel verspeisende Katze zu setzen, ist dies nicht minder amüsant. Genauso gut wie die "tierischen" Darsteller, sind auch ihre Gegner, die Räuber. Thomas Balou Martin(Räuberhauptmann) porträtiert den Anführer, wie man sich ihn vorstellt: er brüllt herum, schämt sich dann, weil er sich, wie seine Kumpane, hat verjagen lassen, und schickt selbstverständlich einen anderen vor, um nochmal nach dem Rechten zu sehen. Glenn Goltz und Thorsten Münchow(Räuber) sind einfach klasse als von Panik ergriffene Spitzbuben, die sich zwar zunächst weigern, noch einmal zu ihrem Haus zurückzukehren, was letztlich aber doch einer von ihnen tun muss. Jammernd, keuchend und japsend endet dieser Besuch erneut in kopfloser Flucht, und bei seinem Bericht an den Hauptmann überschlägt sich seine Stimme beinahe. In einer Nebenrolle ist noch Claus Thull-Emden(Müller) zu hören, der aufrichtig bedauert, sein Tier töten zu müssen.

Die Wassernixe:
Getragen wird das Hörspiel von Kristine Walthers(Wassernixe) Darstellung der gehässigen Seejungfer, die den Kindern gegenüber sehr hartherzig agiert und zwischendurch boshaftes Triumphgelächter ausstößt. Wenn sie wütend wird, ihrem Ärger lautstark Luft macht und ihre kleinen Opfer erbarmungslos verfolgt, bekommt es auch der Hörer fast schon mit der Angst zu tun. Trotz ihrer hervorragenden Leistung, haben mich Edward McMenemy(Brüderchen) und Marlene Bosenius(Schwesterchen) mit ihrem extrem authentischen Spiel fast noch mehr beeindruckt. Edward McMenemy als der ein wenig ältere Bruder beruhigt und tröstet seine kleine Schwester und fügt sich zunächst in sein Schicksal, bevor er dann doch die Flucht plant. Marlene Bosenius ist wesentlich ängstlicher als ihr Bruder, und es ist schon ergreifend, wenn sie aus lauter Verzweiflung zu weinen anfängt.

Die wahre Braut:
Die unvergleichliche Reinhilt Schneider(Gerda) kann hier die ganze Palette ihrer Darstellungskunst zeigen. Von weinerlichem Schluchzen über Erstaunen, bis hin zu grenzenloser Freude, gelingt es ihr, jedes Gefühl passend auszudrücken. Allein ihre wohlklingende Stimme sorgt schon dafür, daß der Hörer ganz in diese Märchenwelt eintauchen kann. Der Kontrast zu ihrer Mitspielerin Luise Lunow(Stiefmutter) könnte nicht größer sein. Lunow keift, schillt, ist einfach nur niederträchtig und immer undankbar. Sie verlangt absichtlich Unmögliches, und ihr fieses Lachen, wenn sie Gerda wieder einmal eine aussichtslose Aufgabe stellen konnte, geht dem Hörer durch Mark und Bein. Einen Ausgleich dazu bietet Ursula Sieg(Alte Frau) in der Rolle der freundlichen Alten, die Gerda bedauert und tröstet. Resolut geht sie jede Herausforderung an und freut sich, daß sie damit dem Mädchen helfen kann. Die sympathische Stimme von Glenn Goltz(Königssohn) nimmt den Hörer ganz für ihn ein und unterstreicht sein Porträt des verliebten Regentensohnes. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt(Ballbesucher) als erstaunte, von Gerdas Schönheit beeindruckte Tanzfestbesucher.

Fazit:
Kleine und große Fans werden hier fast 65 Minuten lang auf eine spannende, unterhaltsame und humorvolle Märchenreise mitgenommen!

Das Hörspiel Grimms Märchen - 14 - Die Bremer Stadtmusikanten - Die Wassernixe - Die wahre Braut
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